Geschichte des Frauenfußball beim VfR / FSV Rheinfelden

Interview zum Frauenfußball mit Brigitte Waßmer:

In unserer Interviewreihe präsentieren wir ein Interview mit Brigitte Waßmer. Brigitte spielte selbst lange in der ehemaligen Frauenmannschaft des VfR.


Als 1970 der DFB das Verbot für den Frauenfußball aufhob, fanden sich im gleichen Jahr noch interessierte und fußballbegeisterte junge Frauen, die zu diesem Zeitpunkt noch Schülerinnen in der Realschule waren. Beim ehemaligen Trainer der Herren, Franz Schopp, stießen die Frauen auf offene Ohren.

Kurz darauf übernahm Bruno Waßmer (zukünftiger Ehemann von Brigitte Waßmer) das Amt als Trainer der motivierten Frauen. Somit konnte die Erfolgsreise der Frauen starten. Die erste Verbandsrunde wurde in der Saison 1971/72 bestritten, in der der VfR auf Anhieb Bezirksmeister wurde. Darauf folgten Gruppenspiele um die südbadische Meisterschaft. Hier konnten sich die VfR Damen im ersten Jahr gleich den Titel sichern und qualifizierten sich somit bereits gleich für die Deutsche Meisterschaft. Hier war in der ersten Runde bereits Endstation.


1975 stieß Brigitte Waßmer (geb. Urich) aus Friedlingen zu den VfR Damen und verstärkte das Team im Mittelfeld. In der Saison 1975/76 qualifizierten sich die Damen wieder für die Deutsche Meisterschaft, nachdem sie die Südbadische Meisterschaft gewonnen hatten. Auch hier war in der ersten Runde erneut das Aus für die VfR- Fußballerinnen. Ein 2:2 unentschieden reichte zu Hause gegen Siegen nicht aus, denn im Hinspiel waren die Frauen knapp mit 1:2 unterlegen.


Als 1978 die Damenliga Südbaden, die heutige Verbandsliga der Frauen ins Leben gerufen wurde, waren unsere VfR Frauen dabei. Über 20 Jahre hielten sie Konstant die Klasse der Verbandsliga.

In der Saison 1998/99 ergab sich dann die Möglichkeit, als Tabellendritter in die Oberliga aufzusteigen. Trainerin Brigitte Waßmer lehnte dankend ab, „wenn sie mit Ihrer Mannschaft aufsteigt, dann nur als Meister.“

So gelang der Clou in der darauffolgenden Saison 1999/00, als sich die VfR Damen bereits fünf Spieltage vor Saisonende die Meisterschaft sicherten und somit die Möglichkeit bestand, in die Oberliga aufzusteigen.

Allerdings stellte Brigitte Waßmer erstmals eine Bedingung an den Verein; es soll mit einem Bus zu den Auswärtsspielen gefahren werden. Die zwei Jahre konnten sich die Frauen in der Oberliga halten, ehe es 2002 wieder in die Verbandsliga ging. Brigitte verabschiedete sich aus der ersten Reihe und übernahm das Traineramt der Mädchenmannschaft.


Nur ein Jahr später hatten die Damen schon Personalmangel, so dass teilweise in Unterzahl die Spiele angepfiffen wurden. 2005 bot sich die Möglichkeit eine Spielgemeinschaft mit den Frauen vom SV Nollingen zu gründen. Das Personalproblem war somit vorerst gelöst.

Aus einem Kader von 24 Spielerinnen konnten die Damen aus den vollen schöpfen. Sechs Jahre hielt diese Schicksalsgemeinschaft, ehe es zwischen Trainer und Führungsspielerinnen der Mannschaft zu einem Zerwürfnis kam. Erneut standen die Damen mit Personalproblemen da, so dass 2013 die Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet wurde. „Vom Aus habe ich in Hauingen auf dem Fußballplatz erfahren. Das hat schon weh getan“, erinnert sich Brigitte Waßmer.


Und wie steht es um den Frauenfußball heute?

Das sportliche Niveau ist enorm gestiegen. Früher wurden die Frauen belächelt und galten als Mannsweiber. Heute ist der Fußball bei den Frauen eine gezielte Arbeit an der Basis. In der Spitze gilt es mittlerweile als Leistungssport und findet in Deutschland immer mehr Interesse. Die Akzeptanz in der Gesellschaft ist ebenfalls gestiegen, trotz allem ist der Frauenfußball immer noch auf sich alleine gestellt, und wird in den Vereinen mehr oder weniger nur geduldet. Ohne das Engagement einzelner wäre der Frauenfußball nicht möglich.

Heutzutage spielen viel mehr Frauen und Mädchen Fußball als noch vor 20 oder 30 Jahren. Allerdings wird es nie eine quantitative Entwicklung geben wie bei der männlichen Jugend. Sowohl aus biologischer Sicht als auch aus familiären und beruflichen Gründen sind für Frauen die Hürden höher als bei Männern. Auch sind nicht alle Eltern begeistert, wenn ihre Töchter Fußball spielen.


Was waren deine schönsten Erlebnisse während deiner Laufzeit?

Im Leistungsbereich waren es die Spiele die ich mit der südbadischen Auswahl hatte. Ebenso war der Aufstieg in die Oberliga und die zwei Jahre in der Oberliga ein Highlight. Insgesamt hat mir der Fußball immer Spaß gemacht, die Gemeinschaft, die Kameradschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl haben für mich einen sehr hohen Stellenwert.

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